In vielen
alten Beschreibungen über die "Elbinsel Finkenwerder" und das Leben
ihrer Bewohner, aber auch in den Romanen und Geschichten der hier einst
lebenden Schriftsteller, stößt man immer wieder auf die "Finkwarder
Karkmeß".
Von Finkenwärder erzählen und Karkmessvergessen,
hieße nach Rom reisen und den Papst nicht sehen, denn Karkmess ist die
große Sonnenwende von Finkenwärder, ist der Nordstrich auf seinem
Kompass und Mittelpunkt der Zeitrechnung der Seefischer: Soundsoviel Reisen vor Karkmess oder soundsoviel nach
Karkmess, das hört einer am Deich auf Schritt und Tritt, und „söben
Weeken vör Karkmess! oder „fief Weeken no Karkmess“ sind genaue Zeitangaben, über die kein Zweifel aufkommen
kann. Karkmess teilt das Jahr: Es ist die Grenze zwischen der Schollenzeit und der
Zungenzeit. Vor Karkmess werden in kurzen Reisen nur Schollen gefangen, die
lebend an den Markt gebracht werden: Nach Karkmess geht es auf die Zungen
los, die auf Eis gepackt werden: Da sind die Reisen länger und mühseliger, und
das Geld hat nicht mehr den hellen Klang der Schollentaler. Gorch Fock
Wenn man ältere Finkenwerder Bürgerinnen und Bürger auf dieses so oft
genannte, für die Bauern und Fischer der Insel so bedeutende Fest
anspricht, so leuchten meist die Augen, und manche Geschichte aus der
"guten, alten Zeit" ist zu erfahren. Sehr eindrucksvoll ist auch die
Beschreibung der "Finkenwärder Karkmeß" durch unseren Heimatdichter
Gorch Fock in seinem bekannten Roman Seefahrt ist Not.
So ist hier zu lesen:
"Es ist ein großes Ding: Karkmeß ist da, der Jahrmarkt der
Sonnwendtag der Finkenwärder Fischerei, ein Tag von so großer Bedeutung
und so tief eingreifend in das Leben und Treiben des Eilandes, daß es
Ehren- und Notsache jedes Fischers ist, heimzufahren und dabei zu sein.
Knecht und Junge würden schöne Gesichter machen, wenn sie Karkmeß nicht
kriegen, und bei den Nachbarn hieße es: "Den geith dat jo woll bannig
lütt: he is jo ne mol Karkmeß bi His wesen!"
Nun, die große Zeit der Finkenwerder Fischer ist längst vorbei.
Denkt man jedoch zurück an die letzten größeren Feste auf Finkenwerder,
wie das Inselfest 1998, das Buschfest 1997 auf der Lüneburger Seite
oder die Festlichkeiten anlässlich der 550-jährigen Zugehörigkeit
Finkenwärders zur Stadt Hamburg im Jahre 1996, ist festzustellen, dass
sich das Bedürfnis, einmal im Jahr gemeinsam ein großes, schönes Fest
zu feiern, offensichtlich bis heute erhalten hat.
Was liegt also näher, haben sich der Kulturkreis Finkenwerder e.V. und
der Gewerbeverein Finkwarder e.V. gesagt, als den Versuch zu
unternehmen, den unter dem Namen Finkwarder Karkmeß am Norderkirchenweg
dahindümpelnden Frühjahrsmarkt gemeinsam mit dem Ortsamt wieder mit
neuem Leben zu füllen und damit an die Tradition der früher so
beliebten Finkenwerder Karkmess anzuknüpfen.
Auf Finkenwerder gibt es daher nur ein Motto:
"
Auf zur Karkmess".
|