1996 - 550 Jahrfeier Drucken
Finkenwerder Geschichte - Chronik 1900 - 1999

550 Jahre Finkenwärder


Es war ein Fest für jung und alt!

550J-100.jpgEs war ein schönes Fest, das die »Elbinsel Finkenwärder« anlässlich ihrer 550-jährigen Zugehörigkeit zur Stadt Hamburg vom 15. bis 19. Mai 1996 feierte. Wir erlebten heitere Tage voller Frohsinn und Harmonie, mit überwältigender Resonanz in der Bevölkerung und ungeahntem Zuspruch durch »Auswärtige« für ein vielfältiges, ausgewogenes Veranstaltungsprogramm.

Zugleich wurde auch die traditionelle »Finkenwärder Karkmess« gefeiert, und über allem lag eine Festtagsstimmung, wie sie selbst in der »guten, alten Zeit« kaum schöner gewesen sein mag. Man musste einfach dabei sein bei diesem Fest, das von Finkenwerdern für Finkenwerder liebevoll gestaltet und organisiert worden550J-062-110.jpg ist, und seine ganz besondere Atmosphäre erfahren. Bereits unser Heimatdichter Gorch Fock sagte in seiner Beschreibung der »Finkenwärder Karkmess« u.a. schon: »Es ist ein großes Ding: Karkmess ist da, der Jahrmarkt, der Sonnwendtag der Finkenwärder Fischerei, ein Tag von so großer Bedeutung und so tief eingreifend in das Leben und Treiben des Eilandes, dass es Ehren- und Notsache jedes Fischers ist, heimzufahren und dabei zu sein. Knecht und Junge würden schöne Gesichter machen, wenn sie Karkmess nicht kriegten, und bei den Nachbarn hieße es: »Den geiht dat jo bannig lütt: he is jo ne mol Karkmess bi Hus wesen!« Nun, die große Zeit der Finkenwärder Fischerei ist längst vorbei, und doch fühlte man sich hingezogen zu diesem Fest und zum Mitmachen aufgefordert.

550J-053-110.jpgUnd es wurde ja auch wirklich Beachtliches geboten. Was hier die Finkenwerder Vereine, die Gewerbetreibenden, die Verbände, die Organisationen und die staatlichen Einrichtungen unter der Federführung des Ortsamtes innerhalb weniger Monate der Vorbereitung auf die Beine stellten, das war schon vorzeigenswert. Finkenwerder und seine Bürger bewiesen in dieser Festwoche wieder einmal, über wie viel Kraft und Kreativität sie verfügen, wie man Probleme anpackt und löst und wie viel Risiko zu tragen man doch bereit ist. All dies zeugt von einem großem Zusammengehörigkeitsgefühl und hohem Bürgersinn in einem lebendigen und liebenswerten Gemeinwesen, dem sich auch unsere ausländischen Mitbürger verbunden fühlten. Dass diese so positiven Eigenschaften auch anderenorts nicht unbemerkt bleiben und anerkennend registriert werden, zeigte die hohe Aufmerksamkeit der Medien Hamburgs, deren Gunst und ausführlicher Berichterstattung sich Finkenwerder anlässlich seines Festes ungeteilt als Ganzes erfreuen durfte.

Aber auch Schausteller, Zeltwirte und Sponsoren bewiesen mit ihrem Engagement ihre Sympathie für unsere »Elbinsel«. Und nicht zu
vergessen, dass auch das Herz des Wettergottes für Finkenwerder schlug und er alle Tage seine schützenden Hände über uns hielt. Selbst der in Finkenwerder geborene David Hansemann, einst gestrenger preußischer Finanzminister, dem der Ausspruch »Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf« zugerechnet wird, hätte zur Finkenwerder »Schullenwährung« sicherlich wohlwollend schmunzelnd ein Auge zugedrückt.

550J-002-110.jpg Krönender Abschluss einer Festwoche, die sich alten Traditionen verbunden, aber auch Neuem gegenüber aufgeschlossen zeigte, war zweifellos der vorbildlich organisierte Festumzug am Sonntag. In ihm spiegelte sich das frühere und das heutige Finkenwerder, das gesellschaftliche und kulturelle Leben der hier wohnenden und arbeitenden Menschen in bunter und vielfältiger Weise, kurz gesagt, der besondere Charakter eines alten, traditionsreichen Hamburger Stadtteils. Von diesem gelungenen Fest werden für alle Beteiligten ganz sicher neue Impulse für künftiges Wirken ausgehen.

Quellenangaben:
De Kössenbitter, Mitteilungsblatt des Kulturkreises Finkenwerder, Peter Reichel, 1996.

Festprogramm


 
Mittwoch, den 15. Mai 1996   Donnerstag, den 16. Mai 1996
15.00 Uhr Eröffnung Karkmess
  11.00 Uhr Karkmess Bunte Meile
     
Ökumenischer Gottesdienst am Fähranleger
        Kutschfahrten zur Wiet
      13.00 Uhr Kinderfest am Kutterhafen
19.00 Uhr Festzelt

Kanemaki-Chöre, Gesangverein Germania, Frauenchor Frohsinn, Chor der Nicolai-Kirche
  11.00 Uhr Festzelt:

Familien und Vätertreff bei Blasmusik& Schwoof
21 00 Uhr Musik und Tanz mit Holger & Holger   14.00 Uhr Prämierung der schönsten Vatertagswagen
      19.30 Uhr Tanz mit der „Albatros“
 
Freitag, den 17. Mai 1996   Sonnabend, den 18. Mai 1996
11.00 Uhr
Karkmess Bunte Meile

  17.00 bis 20.00 Uhr Karkmess Bunte Meile

Tag der offenen Tür in der Feuerwache

TuS Finkenwerder
Box-Veranstaltung in der Gorch-Fock-Halle, Benittstraße

19.30 Uhr Festzelt:

Finkenwerder Akkordeon-Orchester
Finkwarder DanzkringLünborger Siet
  20.00 Uhr Festzelt:

Großer Inselball
Es spielt die „California Band“
im Programm:

Finkwarder Speeldeel
Liedertafel Harmonie

Eintritt: DM 15,-

21.00 Uhr Tanz mit den „Albatros“
Eintritt: DM 10,-

     
 
Sonntag, den 19. Mai 1996    
11.00 Uhr
Karkmess Bunte Meile
Insel-Lauf des TuS Finkenwerder


     
11.00 Uhr
Festzelt:
Frühschoppen bei Folk und Blues spielt die „ Bourbon Skiffle Company“ Hannover, Eintritt: DM 10,-
     
14.00 Uhr
Großer Fest-Umzug vom Rüschweg zum Festplatz
     
16.00 Uhr

Ausklang bei Disco-Musik
     

Mai-Schollen


Mai-Schollen zur 550-Jahrfeier

Eigenes Geld für Finkenwärder
Zum Fest - 550 Jahre Finkenwärder zu Hamburg - im Mai 1996, waren sie da, die neuen Zehner, die gesetzlich nicht Mark oder Taler genannt werden dürfen, sondern als »Schollen« - Plattdeutsch »Schullen« - für den Umlauf in Finkenwärder bestimmt waren. Damit gibt es in Deutschland, wenn auch nur regional in Finkenwärder, eine zweite Währung:

FINKENWÄRDER »SCHULLEN«
Die Idee reifte mir, als ich erfuhr, dass die Insel LUNDY, die früher eigene Münzen herausgab, noch heute Briefmarken drucken lässt. Sir Martin Coles Harman, Besitzer dieses Eilandes, hatte seine Währung nicht Pfund, Shilling oder Pennys genannt, wie sonst in Großbritannien üblich, sondern gab ihr den Namen »Puffin«, genannt nach einem Vögel, nämlich dem Wappentier seiner Insel. Ob das auch für Finkenwärder möglich sei, wurde in einer Bierlaune beim »Holgerwirt« lustig weitergesponnen.

Eine Anfrage bei der staatlichen Bundes-Schuldenverwaltung belehrte uns, dass das Prägen von Erinnerungs-Medaillen zwar erlaubt sei, nicht aber das von Zahlungsmitteln, also Münzen mit aufgeprägtem Nominal- oder Nennwert mit denen man tatsächlich etwas kaufen könnte.schullenv.jpg
Die Bezeichnungen Gulden, Dollar, Witten oder Pfund etc. wären rechtlich sowieso geschützt oder auch ähnliche abgewandelte Namen wie Glücks-Dollar oder Europa-Gulden wären vom Staat nicht erlaubt, wenn sie zusätzlich mit einen Nennwert z. B. 2 oder 10 versehen wären. Nun lag es nahe, es mit einer Wertbezeichnung ähnlich wie Lundy zu versuchen. Was für die Insel Lundy das Wappentier der Vogel ist, ist für Finkenwärder der Fisch. »Schollen«, oder auf Plattdeutsch »Schullen« sollte die Wertbezeichnung unserer Insel-Währung werden! Damit war dem Gesetz genüge getan. Ein entsprechender Antrag von wurde von der »Verfolgungsbehörde für Ordnungswidrigkeiten nach dem Münzgesetz« von Herrn Karpf(en) als für unbedenklich erklärt. Der »SCHULLEN«, in heller Neusilber-Legierung, hat einen Durchmesser von 35 mm. Die Vorderseite zeigt das Emblem zur 550-Jahrfeier mit der Umschrift: 550 Jahre - Hamburg-Finkenwärder (mit »ä«, wie vor 1938) von dem bekannten Künstler Axel Groehl.

schullenh.jpgDie Rückseite zeigt in der Mitte das Finkenwärder Wappen: den Finkenwärder Herbstprinz, die Finkenwärder Kutterscholle und den Finkenwärder Wasserturm, unser Symbol und unserer »National-Hymne«. Die Umschrift: »10 SCHULLEN«. Die Auflage, auf 2000 Exemplare begrenzt, ließ schon vorher wegen der großen Nachfrage unter Sammlern eine hohe Wertsteigerung vermuten.

Die »10 SCHULLEN«-Münze wurde für DM 10,- herausgegeben und während der Festtage und danach von vielen Geschäften, die sich dank Rainer Külper (Gewerbeverein Finkwarder e.V.) dazu bereit erklärt und die Sache gesponsert hatten, als Zahlungsmittel angenommen. Später bleibt es diesen Geschäften selbst überlassen die »SCHULLEN« weiter anzunehmen. Bei der Altländer Sparkasse - ebenfalls Sponsor -konnten die »SCHULLEN« bis zum 30. Juni 1996 gegen Papiergeld eingelöst werden. Das Gegenteil passierte allerdings; eine lange Liste interessierter Käufer lag vor, es kamen jedoch keine Münzen zurück!

Angebot und Nachfrage werden auch hier ihren Preis finden! Inzwischen wird von Sammlern tatsächlich DM 20,- und mehr für die Münze geboten und auch gezahlt. Finkenwärder ist meines Wissens der erste und einzige Ort in Deutschland, dem es nach der Währungsreform gelungen ist, eigenes Geld zu prägen, dass auch tatsächlich vom Staat genehmigt wurde.

Autor: Rudolf Meier.

Bildergalerie



Fotos: Thomas Kielhorn.
( Dienstag, 8. April 2008 )
 
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